Der Moment, auf den jeder Newcomer-DJ hinfiebert: Die erste offizielle Booking-Anfrage liegt im Postfach. Der Jubel ist riesig, doch sofort folgt die lähmende Frage: “Was soll ich als Gage verlangen?” Zu viel, und die Chance ist vertan. Zu wenig, und die eigene Arbeit wird entwertet. Willkommen im Minenfeld der ersten Gagenverhandlung – einem entscheidenden Schritt vom Hobbyisten zum Profi. Dieser Leitfaden zeigt, wie der Einstieg gelingt und worauf bei Verträgen unbedingt zu achten ist.
Die harte Wahrheit: Warum “for free” keine Option ist
Zuerst das Wichtigste: Das Argument “Spiel doch für die Erfahrung” oder “für Freigetränke” ist eine Falle. Natürlich, am Anfang steht die Leidenschaft. Aber DJing ist Arbeit. Es erfordert teures Equipment, unzählige Stunden des Übens und Musiksuchens. Wer von Anfang an umsonst spielt, etabliert einen Standard, der kaum zu durchbrechen ist und den Wert von DJs insgesamt untergräbt.
Die erste Gage muss nicht hoch sein, aber sie muss existieren. Sie ist ein Zeichen des Respekts und der Anerkennung.
Die Gagen-Formel: Was ist mein Set wert?
Eine faire Gage zu finden, ist ein Balanceakt. Diese Faktoren helfen bei der Kalkulation:
Die Location & der Rahmen: Ein 2-Stunden-Set zur Prime-Time in einem Club ist mehr wert als ein Warm-up in einer kleinen Bar. Handelt es sich um eine kommerzielle Veranstaltung oder ein alternatives Kulturprojekt? Je kommerzieller, desto höher die Gagen-Erwartung.
Die eigene Erfahrung & Reichweite: Wer bereits eine kleine Fanbase mitbringt, die Tickets kauft oder die Bar füllt, hat ein starkes Verhandlungsargument. Eigene Mixe, Social-Media-Präsenz und vergangene Gigs (auch wenn sie klein waren) untermauern den eigenen “Marktwert”.
Die anfallenden Kosten: Fahrtkosten, eventuelle Übernachtung oder die Miete für spezielles Equipment müssen in die Gage eingerechnet werden. Was nach Abzug dieser Kosten übrig bleibt, ist der eigentliche Verdienst.
Die Spielzeit: Eine Stunde ist der Mindeststandard. Für längere Sets (3-4 Stunden) kann nicht einfach der Stundenlohn hochgerechnet werden, aber es sollte eine deutliche Steigerung erkennbar sein.
Praxis-Tipp für die erste Verhandlung: Statt einer festen Zahl kann ein Gagen-Rahmen (z.B. “Ich stelle mir etwas zwischen 150€ und 250€ vor”) das Gespräch eröffnen. Das wirkt professionell und lässt Raum für Verhandlungen.
Der Vertrag: Mehr als nur ein Stück Papier
Sobald eine mündliche Einigung erzielt ist, muss diese schriftlich festgehalten werden. Ein einfacher E-Mail-Verkehr, der alle Punkte bestätigt, reicht für den Anfang oft aus (wird als “Booking Confirmation” bezeichnet). Ein formeller Vertrag ist noch besser. Das schützt beide Seiten vor Missverständnissen.
Die ultimative Vertrags-Checkliste für DJs
Bevor irgendetwas unterschrieben wird, müssen diese 10 Punkte geklärt sein. Sie können als Vorlage für die Bestätigungs-E-Mail dienen.
- Genaue Vertragspartner: Wer bucht wen? (Vollständige Namen und Adressen)
- Datum & Ort der Veranstaltung: Klar und unmissverständlich.
- Genaue Spielzeit: Von wann bis wann? (z.B. Samstag, 23.11., 01:00 – 03:00 Uhr)
- Die Gage (Brutto/Netto): Ist die Gage ein Festpreis (Buyout)? Oder gibt es eine Beteiligung an den Einnahmen? Ist die Umsatzsteuer (falls relevant) ausgewiesen?
- Zahlungsziel: Wann wird das Geld gezahlt? (Üblich ist Barzahlung direkt nach dem Gig oder Überweisung innerhalb von 14 Tagen)
- Gestelltes Equipment (Technical Rider): Was stellt der Club? (z.B. 2x Pioneer CDJ-3000, 1x Pioneer DJM-900 NXS2). Alles, was man selbst mitbringen muss, sollte ebenfalls klar sein.
- Anreise & Unterkunft: Wer übernimmt die Kosten und Organisation für Anfahrt und ein eventuelles Hotel?
- Verpflegung (Hospitality Rider): Was steht im Backstage-Bereich zur Verfügung? (Mindestens Wasser, oft auch eine bestimmte Anzahl an Freigetränken)
- Promotion: Wie wird der eigene Name auf Flyern und in den sozialen Medien angekündigt? (Korrektes Pseudonym und Verlinkungen)
- Ausfall-Klausel: Was passiert, wenn der Gig vom Veranstalter kurzfristig abgesagt wird? (Eine Ausfallgage, z.B. 50% der Gage bei Absage innerhalb von 14 Tagen vor dem Event, ist professionell)
Die erste bezahlte Buchung ist ein Meilenstein. Mit einer selbstbewussten, aber fairen Verhandlung und einer klaren schriftlichen Vereinbarung wird aus dem Traum nicht nur ein unvergessliches Erlebnis, sondern auch der Grundstein für eine nachhaltige Karriere.
