Wie klimaschädlich ist die Techno-Szene?

Photo by Krys Amon on Unsplash

Wenn CO2-Limits per Emissionshandel nach gusto hin- und hergeschoben werden und das Meer im Müll versinkt, ist es einfach, das Problem auf etwas ganz großes zu schieben. Die Politiker sind Schuld, die großen Konzerne, „die da oben“. Aber dass auch die elektronische Musikkultur ein Klimakiller ist, muss als Problem endlich thematisiert werden.

Wie kommen DJs eigentlich von A nach B (zu einem dieser hunderttausenden Gigs jedes Wochenende)? Und warum ist die nächstgrößere Stadt als Feierziel immer die bessere Wahl, wenn es um das Ausleben der eigenen Interessen geht? Während der Klimakollaps in mittelbarer Ferne bevorsteht, wird natürlich weitergefeiert. Warum auch nicht? Nur sollten wir als Konsumenten elektronischer Musik genauer bewerten, wer eigentlich zu welchem Preis spielt (und da geht es nicht um Gagen) und wie wir uns in unserer ureigenen Feierkultur bewegen möchten.

Talentierte DJs sind relativ schnell international unterwegs

Wer den Sprung aus der Versenkung schafft und international spielen darf, der muss bei wochenendlichen Bookings durchaus acht bis zehn Mal pro Monat fliegen. Langstrecke und Kurzstrecke. Promoter und auch Agenturen wollen das natürlich zum besten Tarif möglich machen und buchen bei Ryan Air oder Wizz, sogenannten Billigfliegern. Diese Billig-Mentalität bringt den Fluglinien jede Menge Kunden und katapultiert Ryan Air auf eine Spitze der CO2-Schweine Europas. Mit 9,9 Megatonnen Ausstoß ist Ryan Air auf Platz 10 der größten Erzeuger klimaschädlicher Treibhausgase in Europa gelandet. Vor Ryan Air sind auf dieser Liste nur noch Kohlekraftwerke schlimmer, auf dem traurigen ersten Platz ein Kraftwerk in Polen mit 38 Megatonnen CO2-Ausstoß (Quelle: Hannoversche Allgemeine).

Das erste einfache Mittel, alles besser zu machen

Klar wird an dieser Stelle kein DJ gebeten, mit dem Zug von den Niederlanden in den Kaukasus zu fahren (auch wenn die Strecke vielleicht echt schön ist). Ich halte es an dieser Stelle eher mit einem einfachen Vorschlag von Nayan Soukie vom Duo „Soukie & Windish).

Wer bei Flugbuchungen versucht, direkt CO2-ausgleichende Maßnahmen zu fördern, wird am Ende des Jahres ein paar Euro weniger in der Tasche haben, die sich aber für unsere Zukunft lohnen kann. Und dennoch ist diese Aussage so platt, dass klar ist – weniger Geld ist ein Manko. Hier gilt es, einen guten Mittelweg zu finden. Wer zahlt für den CO2-Ausgleich? Spielt der Veranstalter nicht mit, muss der DJ möglicherweise selbst ran. Das wird zu oft aber nicht passieren. In den restlichen Fällen sollten Agenturen darauf achten, dass der Promoter den überschaubaren Betrag auf sich nimmt. Dann klappt es sogar mit der sparsamen Ryan Air-Buchung.

Muss der DJ unbedingt aus Italien kommen?

Ferner müssen sich Feiernde und Promoter auch selbst an der Nase fassen, wenn es um die Auswahl ihrer Bookings geht. Klar, der DJ „muss“ aus Berlin sein. Wo sonst ist eine Stadt gleich einer Referenz – das gibt es für die elektronische Musikszene mit Berlin, die Jazz- und Bluesszene setzt hier beispielsweise ein ähnliches Gewicht auf einigen US-amerikanischen Städten. Jazzer kommen aus New Orleans.

Sicherlich ist es erstrebenswert, ausländische Bookings auch im Land des Technos zu unterstützen. Aber muss der DJ des Wochenendes immer der absolute Lieblingsact sein, der gerade 10.000 Kilometer weit weg war? Oder muss es unbedingt die neue Mailändische Szene sein, denn Italien ist derzeit ein Exportschlager. Aber für eine Stadt wie Würzburg tut es vielleicht auch gerne ein DJ aus Frankfurt – der kommt mit der Bahn und hat keine lange stressige Anfahrt.

Geil feiern geht nur in Berlin und Hamburg – diese Aussage ist falsch

Aber nicht nur der DJ ist mittlerweile das reisende Individuum schlechthin. Es sind auch die Gäste, die mittlerweile für Acts wie Dixon rund um den Globus fliegen (zu sehen ist da immer wieder in der Facebook-Gruppe Innervisions-Fans). Für sie gilt das Gleiche, wie für den DJ auch. Wer unbedingt reisen muss, zahlt seinen Ausgleich. Gut feiern geht übrigens meist auch in der eigenen Stadt. Und wenn das nicht so ist, dann liegt das an Euch, etwas dagegen zu tun.

Abschließend drei Handlungsempfehlungen, wie die elektronische Musikkultur (Techno-Szene) klimafreundlicher wird:

  • Bookingagenturen sollten einen CO2-Ausgleich bei Flugreisen (oder generell Reisen) verpflichtend einführen
  • Promoter könnten sich in Zukunft an mehr inländischen und regionaleren Bookings orientieren
  • Gäste sind verantwortlich, die Feierkultur in der eigenen Stadt voranzubringen, statt immer das Heil in Techno-Mekkas wie Berlin, Tel Aviv oder Tbilisi zu suchen