Wie Denis Horvats Beatport-Hit „Noise“ zeigt, wie berechenbar die Szene ist

Der dänische Artist Denis Horvat hat sich binnen zwei Jahren an die Spitze der Melodic-Techno-Szene produziert. Sein aktuelles Release zeigt, wie sehr auch in dieser Szene Regeln gelten.

Melodic Techno ist angesagter denn je. Tale Of Us Label Afterlife hat vor wenigen Jahren mit seiner Interpretation von Romantic House und melodischem elektronischen Sound Wege für viele weitere Imprints bereitet, die einen ähnlichen drückenden und emotionalen Stil fahren. Auf einen Podestplatz der allgemeinen Beatport-Charts hätte es zu diesem Zeitpunkt aber noch nie jemand geschafft. Dort standen immer Namen der EDM-Szene, ein Dauerbrenner war beispielsweise Martin Garrix.

Weibliche Vocals, die an unzählige EDM-Releases erinnern

Dieses Bild hat sich gewandelt. Mittlerweile schaffen es mehr Melodic-Techno-Tracks denn je in die Liste der meistverkauften Beatport-Sounds. Aktuell steht seit Tagen Denis Horvat feat. Lehlah mit „Noise“ an der Spitze. Veröffentlicht wurde die Nummer auf besagtem Label Afterlife. Auffällig: Auch hier finden sich mittlerweile massig weibliche Vocals, die mit ähnlichen Effekten wie die damaligen EDM-Spitzentracks versehen sind. Der Melodic Techno sucht seinen Weg in den Mainstream.

Das darf nicht falsch verstanden werden. Denis Horvat ist – gelinde gesagt – der Wahnsinn. Seine Eigenproduktionen sind gemacht für den Club, sie glänzen durch eine Simplizität, die so klar und eindeutig ist, dass sich viele Produzenten wünschen würden, ihre Spielereien und Überfrachtungen eigener Tracks aufzugeben. Dennoch: „Noise“ fällt aus dem Raster bisheriger Horvart-Tracks. Es scheint, als haben Tale Of Us mit ihrem immer vocallastigeren Sound in den letzten Jahren hier klare Vorgaben gemacht.

Wenn kantige Techno-Tracks ins cheesige abdriften

Die Planbarkeit solcher Nummern und sein Verkaufspotential sind berechnend. Ein bekannter Name der Szene, der auf Labels wie Get Physical oder auch Poesie Musik regelmäßig veröffentlicht, sagt: „Wenn es keine Vocals hat, verkauft es sich nicht.“ Auch die A-Seite der neuen Innervisionsscheibe von Jimi Jules namens „Karma Baby“ vertraut auf eine Stimme. „End Of The World“ beinhaltet – etwas stilvoller als genannte Horvat-Veröffentlichung – Vocals. Diesen Weg zu beschreiten ist ein schmaler Grad. Schnell driften hier kantige Technotracks, wie es „Noise“ ohne Vocals einer wäre, ins cheesige ab.

Mut zu ganz eigenwilligen Vocalideen

Mut zu originären Vocals wäre die Botschaft, weg von der Berechenbarkeit. Wer sich hier wirklich neues traut, siehe beispielsweise die Berliner Künstlerin Perel von DFA Records, der erschließt neue Wege, ohne vom Mainstream zu kupfern. Und darum geht es schließlich in der Weiterentwicklung der (elektronischen) Musik.

Hier gibt es ein mustergültiges Perel-Beispiel: