Wenn Auflegen das neue Schlafen ist: Wie machen das die Tourmonster?

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Für viele klingt das nicht nur wie ein Traum, sondern traumhaft. Vier bis fünf Gigs an einem Wochenende. Ich sage: “Das muss der blanke Horror sein”.

Gehen wir von vier Wochenenden im Monat aus. Jedes Wochenende hat zwei bis drei Clubnächte. Freitag, Samstag und ja, in größeren Städten ganz klar auch der Sonntag. International gefragte Acts nehmen so ein Wochenende schon mal mit – Doppelbooking an einem Abend nicht ausgeschlossen. Da bist Du im Monat dann schnell auf 10 bis 15 Gigs.

“Auflegen ist das neue Schlafen”

Einer dieser in der Überschrift benannten Tourmonster ist aktuell Konstantin Sibold. Der Endzwanziger aus dem Stuttgarter Raum hat mit seinem Track “Mutter” vergangenes Jahr den beliebtesten Track der Groove-Leser geliefert und ist von einem damals schon straffen Tourprogramm nun zur völligen Eskalation gewichen. Nach dem Posten seines gefüllten Terminkalenders schreibt ein User: “Auflegen ist wohl das neue Schlafen”. Sibold nutzt den Claim direkt für einen eigenen Post. In meinem engen Umfeld wurde gerade über dieses Posting durchaus diskutiert. Ist das noch erstrebenswert?

Viele dieser Durchstarteracts, vor allem auch im EDM-Bereich wie ZEDD, Avicii und wie sie alle heißen, haben das bereits hinter sich oder leben seit Jahren in dieser stressigen Situation. Avicii hatte bereits 2014 gesundheitlich zu kämpfen und beschloss 2016, nur noch eine finale Tour zu machen. Ein Karriereende mit 26 Jahren.

Denn was für die einen wie das erstrebenswerte Ziel klingt, ist mit jeder Menge Zeit in Zug, Bus, Bahn und Flugzeug verbunden. Endlos viel Zeit bleibt hier auf der Strecke, die weder in Beziehungen, in Familie oder eben in die Musikproduktion als solches gesteckt werden kann. Die DJ-Kultur war hier schon immer Abbild einer Gesellschaft, die ruhelos ist. Ob das gut oder schlecht ist, möchte ich an dieser Stelle nicht bewerten.

Der Körper geht kaputt

Viele Oldies sind die besten Beispiele für ungesunden Schlafrhythmus und dadurch bedingten körperlichen Verfall. Wer DJ Tennis blutunterlaufene Augen einmal gesehen hat, der weiß, wie so ein Leben an einem Nagen kann. Künstliche Substanzen für die körperliche Fitness an dieser Stelle mal ganz ausgeklammert, ist besonders die Heimatlosigkeit für eine bestimmte Zeit reizvoll, bietet auf Dauer aber wohl nur wenig Halt. Wer kann schon immer gutes Essen, immer szenige Menschen und immer eskalative Nächte schätzen, wenn sie zur Gewohnheit werden? Das ist wie jeden Tag Nudeln essen – funktioniert auch nicht, wenn Nudeln das Lieblingsgericht ist. Auflegen als Sucht, vielleicht muss das irgendwann thematisiert werden.

Ich frage mich: Wie machen die das? Ich weiß: Vorstellen könnte ich mir das als ein kurzes Abenteuer, spätestens nach zwei Monaten wäre ich aber für mindestens zwei Wochenenden zuhause auf der Couch. Daran ändern Gagen ab 2 000 Euro wohl auch nur wenig.

Setempfehlung wird der gerade mal einen Tag alte Upload unseres Protagonisten Konstantin Sibold: