Warum ihr unbedingt die Amazon-Serie „Beat“ sehen solltet

Karoline Herfurth in einer Techno-Serie? Das kann ja nur schiefgehen, mochte man meinen. Aber die Serie ist das pure Gegenteil von dem, was erwartet war.

Die Deutschen können Serie! Nicht nur Dark, die erste deutsche Netflix-Produktion, sondern auch 4 Blocks oder das kürzlich erschienene Amazon-Format „Beat“ beweisen es. Letztere sogar fulminant, denn was als Krimi-Serie im Techno-Umfeld (mit „knallhartem Berghain-Techno“ – wir berichteten) argwöhnisch erwartet wurde, entpuppt sich als mörderischer, schnell getakteter Siebenteiler.

Jannis Niewöhner ist der geborene Druffi

Im Fokus steht der Schauspieler Jannis Niewöhner, Jahrgang 1992, der die Hauptrolle des Robert Schlag alias „Beat“ verkörpert. Ein drogengeiler Club-Geschäftslenker, der Feiern versteht. Die Serie zeigt den teils sehr rohen und gerade dadurch so liebevoll konzipierten Stil eines Berliner Clubs und wechselt im Laufe der sieben Folgen auch einmal ins Watergate und sogar ins KitKat (Fetisch, ist klar). Niewöhner spielt so authentisch, wirkt so abgefuckt und gibt dieser Serie so eine gewaltige Authentizität mit, wie es kaum zu erwarten war.

Auch Karoline Herfurth findet sich gut in ihrer Rolle. Erst noch etwas mädchenhaft und trotzig wirkend, wird sie schnell in der Wahrnehmung des Zuschauers zur taffen Agentin beim europäischen Geheimdienst ESI.

Die Wirrungen der Serie, die mit einem wirklich perfiden Mord startet, sind meisterlich und erinnern ganz grob an Dark. Vieles ist hier nicht vorherzusehen, es tauchen immer wieder neue Figuren auf, immer wieder gibt es heißgeliebte What-the-fuck-Momente.

Alexander Fehling als emotionsloser Geschäftsmann

Klar, Namen wie Christian Berkel und, wen hätte es gewundert, Kostja Ullmann, waren zu erwarten. So großartig ist der Pool von bekannten und wirklich hochklassigen Schauspielern in der deutschen Fernsehlandschaft nicht. Besonders tut sich allerdings Alexander Fehling als „Philipp Vossberg“ hervor. Er verköpert einen emotionslosen Geschäftsmann zur Perfektion. Was allein sein Unterkiefer in der Serie leistet, ist beeindruckend. Er spielt den Vossberg mit einer extremen Kälte und Kalkül, meisterlich. Fehling war bereits in der US-Serie „Homeland“ zu sehen.

Alles in allem bleibt nur ein Fazit: Auch Freunde elektronischer Musik sollten sich von dem Stempel „Techno-Serie“ nicht abschrecken lassen. Der Techno gibt hier lediglich ein Umfeld für einen viel meisterlichen verlängerten Psycho-Krimi. Unbedingt anschauen!