Steve Cole (Labelbetreiber): „Wie Indiana Jones, der sich durch ein Kabel-Dickicht kämpft“

In seinem Studio türmen sich Geräte, die schätzungsweise deutlich mehr Wert sind als ein großes Familienhaus. Doch bei all dieser Liebe zur Analogie zeigt dieses Interview mit Steve Cole auch, dass Veröffentlichungen auf Vinyl einen gewissen Nachteil bergen.

Steve Cole aus Basel in der Schweiz produziert seit über 15 Jahren Musik, legt seit 1995 Musik auf und kann daher getrost als ein alter Hase der Szene bezeichnet werden. Kollaboriert hat er schon mit jeder Menge bekannter und unbekannter Acts, die wir im Laufe des Interview vorstellen. Normalerweise arbeitet der 38-Jährige, der Vater eines 1-jährigen Sohnes ist, in einem Architekturbüro. Daneben ist Cole mit seinem Studiopartner Philippe Alioth Betreiber von Schallbox & Neopren Records.

Vorab ein Einblick in das unfassbar gut bestückte Studio, in dem auch schon DJ Hell zu Gast war. Rund 150 Geräte stehen hier.

Ein Juwel analoger Hardware: Das Neoprenbox-Studio in Basel

Steve, lass uns direkt über dieses beeindruckende Studio reden. Wie kommt man zu so unglaublich viel Technik?

Steve: Natürlich habe ich in den vergangenen Jahren den einen oder anderen Synthesizer gekauft, aber der größte Teil der Sammlung gehört meinem Studio-Partner Philippe Alioth. Wir haben vor einigen Jahren beschlossen unsere Studios und Labels zusammenzulegen und dies ist nun daraus entstanden: Neoprenbox Studio! Wir wollten einfach gemeinsame Synergien nutzen und bekanntlich erreicht man im Team mehr.

Was macht ihr alles in diesem Studio?

Das Neoprenbox Studio ist unser Spielplatz – sozusagen ein analoger Spielplatz für Erwachsene. Das Studio kann nicht gemietet werden, es dient ausschließlich unserer eigenen Kreativität. Natürlich haben wir schon Gäste wie DJ Hell, aber dies nur, weil wir Lust darauf hatten.

Du hast extrem viel analoge Hardware – was macht für Dich den Reiz aus?

Einerseits ist es der Klang der aus den Maschinen kommt. Ein kleines Knirschen, ein feines Rauschen, eine kleine Ungenauigkeit – so etwas wird man bei einem Plugin-Synth nie hören. Die Maschinen ächzen, schnaufen und atmen – sie menscheln sozusagen. Andererseits ist es auch der Reiz am „Unbekannten“. Sei es, wenn ich an einen Modularsystem ein paar Verbindungen patche ohne dabei zu wissen was jetzt dabei rauskommt oder wenn man auf „Fehlersuche“ gehen muss, warum jetzt kein Ton aus dem Synthie kommt.

Teilweise fühlt man sich dann wie Indiana Jones, der sich durch ein (Kabel-)Dickicht kämpft, um an den verborgenen Schatz zu kommen.

Wie lange hast Du für die ganze Technik gesammelt?

Ich selber arbeite seit rund 10 Jahren mit analogen Klangerzeugern. Mein Studiopartner Philippe Alioth schon fast 30 Jahre. Da kommt einiges zusammen.

Du stehst ja hinter „Schallbox Records“. Warum ein eigenes Label?

Das eigene Label war für mich eigentlich die sinnvolle Weiterentwicklung vom DJ zum Produzent zum Labelbetreiber. So habe ich mich im Januar 2009 mit Robert Stolt in einem Café in Berlin zusammengesetzt, die Weichen für das eigene Label gestellt und im April 2009 das erste Schallbox-Release auf Vinyl veröffentlicht.

Du bist nicht nur Labelbetreiber, sondern selbst auch Produzent. Wie viel hast Du veröffentlicht?

Uiihhhh, da müsste ich mal nachzählen! Mein erstes Release war im 2007 auf Feinschliff-Musique. Da sind seither natürlich etliche Releases dazugekommen. Total schätze ich so circa 50 Releases wovon circa 20 auch auf Vinyl gebannt wurden.

Stichwort Vinyl: In welchen Auflagen prdouziert ihr für Schallbox?

Bis zur Schallbox018 haben wir noch Vinyl gepresst (ca. 4 Release pro Jahr). Da aber die Presszeiten teilweise untragbar waren, haben wir seither nur noch Digital released.

Die Releasetaktung von 4 Releases pro Jahr versuche ich weiterhin zu halten, da ich mit Schallbox Records lieber auf Qualität statt auf Quantität setze. Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, für das eine oder andere Schallbox-Release auch einen Originaltrack oder einen Remix beizusteuern.

Ein weiterer Teil des Neoprenbox-Studios

Auf welche Zusammenarbeit bist Du besonders stolz?

Ganz klar auf die Zusammenarbeit mit meinem Freund Ronald Christoph. Wir haben uns online etwa 2010 kennengelernt, als Ronald einen Remix für Schallbox Records gemacht hat. Wir hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander, waren in dauerndem Kontakt, haben uns dann auch öfters in Basel oder Berlin getroffen und sind in der Zwischenzeit richtig dicke Freunde geworden. Da wir uns menschlich so gut verstanden haben, war schnell klar, dass wir gemeinsam ins Studio müssen.

Neben Ronald Christoph: Wer sind Deine drei aktuellen Lieblingskünster?

– Alexander Aurel
– Dompe
– Collective Machine

Was kommt von Dir in nächster Zeit?

Momentan habe ich diverse Tracks fertiggestellt und gehe damit in den kommenden Wochen auf Labelsuche. Fix sind aber auf jeden Fall schon ein Track auf der CONCEPT.series von My Favourite Freaks (Januar 2018) und ein Sommer-Doppeltracker auf Lauter Unfug (Sommer 2018).

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Dieses Equipment findet ihr im Neoprenbox-Studio (auszugsweise):

ARP 2600(2x), ARP Odyssey (2x),ARP sequencer (3x), KORG PS3300, KORG PS3200 (2x), KORG PS 3100, KORG MS20 (2x), KORG MS-50, KORG SQ-10 (3x), KORG 770,KORG 900PS,, KORG Trident, KORG VC-10, KORG Wavestation, MOOG Polymoog, MOOG Memorymoog, MOOG Minimoog, MOOG sonic6, MOOG Multimoog, MOOG Source, MOOG Little Phatty (2x), KOTC MOOG System-55, MOOG Rogue,MOOG OPUS-3, ROLAND SH-1000, ROLAND SH-2, ROLAND SH-5, ROLAND SH-7, RLAND system 100 (4 full modules), ROLAND SYSTEM-100, ROLAND CR-78, ROLAND TR-808 (2x), ROLAND TR-909 (2x), ROLAND TR-707 (3x), ROLAND ProMars, Roland Jupiter4, ROLAND Jupiter8 (2x), ROLAND Jupiter-6, ROLAND Juno-106, ROLAND JD-800, ROLAND JD-990, ROLAND SVC-350, ROLAND Integra (2x), ROLAND SH-101, OBERHEIM OB-XA (2x), OBERHEIM 4-voice, OBERHEIM OB-1, OBERHEIM Xpander, OBERHEIM MATRIX -1000, OBERHEIM DSX, YAMAHA CS-10, YAMAHA CS-15, YAMAHA CS-30, YAMAHA CS-50, YAMAHA CS-40, YAMAHA CS-80, BUCHLA SYSTEM 9, SERGE 13-module system, RSF KOBOL Rack-synth, SEQUENTIAL Prophet-5, SEQUENTIAL Prophet-VS, SEQUENTIAL Studio-440, SEQUENTIAL Pro-One, JEN-SX 1000, GLEEMAN Pentaphonic (2x), POLIVOKS (2x), Estradin, Ensoniq Fizmo, Technics 1010, ELKA Synthex, AIRBOURNE modular synth, LINN Drum, MACBETH M5, MODCAN Big Modular system, GRP A8, Eurorack 6 complete modular systems, Pioneer (EMU) modular synth, ARIES MODULAR, EMU Modular prototype, Analog Solutions Vostok (2x), Metasonix Wretch-Macine, div. E-MU rack synths, Div. ACCESS Virus, NORD-LEAD Rack, EML 100, EML 101 (2x), EML 400, EML-500, ANALOG SOLUTIONS Oberkorn (15x), ANALOG SOLUTIONS Leipzig, ANALOG SOLUTIONS Telemark, E&MM Spectrum synth, MAPLIN 5600 and 3800, EMS SYNTHI AKS (2x), EMS Synthi E, CWEJMAN S1 MK2, SPECTRAL AUDIO Neptune2, WALDORF Microwave, WALDORF Blofeld, NOVATION Supernova, NOVATION K-station and others…