Rob Hes: “Ich wusste, meine Eltern mögen es nicht”

Rob Hes

Rob Hes ist zurück auf Dubfires Label SCI+TEC. Anlässlich seiner neuen EP verrät er uns im Exklusivinterview, warum seine “Hardcore”-Zeit prägend war und warum er immer noch in seiner Heimatstadt Hoorn wohnt.

“Tricks of the Trade” verkörpert genau das, wofür Rob Hes steht: der neue Dreitracker auf Dubfires Label SCI+TEC ist voll von geradlinigem Techno mit melodischen Twists. Der Holländer Rob Hes hat in seiner Karriere hin zum Techno und zur Melodie gefunden – nach Jahren des “Hardcore”-Daseins.

“Ich hatte keine Ahnung, was für Musik das war”

Rob Hes ist ein Hüne mit Vollbart, sympatischen Augen und einem Gesicht, das ohne Bart locker wie Mitte 20 wirkt. Dennoch ist der Niederländer bald Mitte 30 und verdingt sich seit 2,5 Jahren als hauptberuflicher DJ und Produzent. 22 Jahre ist es her, als Hes im Alter von 12 diese eine Kassette in die Hand bekam: “Da war was drauf, was ich noch nie im Radio gehört habe und es hat mich einfach umgehauen. Das Band hieß “Techno Trance” und ich hatte keine Ahnung, was das für Musik war. Ein paar Jahre später nannten sie es “Hardcore” und Rob Hes wusste immer: “Meine Eltern mögen es nicht”. Genau in dieser Szene fühlte sich Hes dennoch wohl, auch wegen der speziellen Uniformität der Hardcore-Anhänger mit ihren Glatzen und weiten Hosen , die so etwas wie familiäres Flair mit sich brachte.

Genau dieses heimische Gefühl scheint Rob Hes auch zu genießen. “Ja, ich lebe immer noch in Hoorn, einer Stadt rund 40 Kilometer von Amsterdam entfernt. Hier wohnt meine Familie, es ist ruhiger, es gibt genug Parkplätze und die Häuser sind billiger”. Von der unmittelbaren Nähe zu Amsterdam profitiert Hes natürlich, denn in der Großstadt ist er innerhalb von 35 Minuten mit der Bahn und somit in Mitten einer der feinsten Clublandschaften, die Europa zu bieten hat.

Die Melodie in der Musik

Während sich der 34-Jährige in Sachen privatem Umfeld wenig entwickeln wollte, sieht es in Sachen Techno anders aus. Vor vier Jahren änderte Hes sein Pseudonym zu seinem richtigen Namen und bewertet: “Ich glaube, das war auch die beste Entscheidung für mich”. Sein Sound ist heute deutlich melodischer als früher, startet aber oft noch so trocken technoid, wie es schon vor Jahren modern war. “Meistens fange ich mit der Kick und der Bassline an und ergänze es mit meinem Roland System 1 und einem Korg Minilogue”, verrät der Artist, der auch auf Christian Smiths Tronic Label zuhause ist. Nahezu jeder Track von Hes besteht aus einer Reihe an analogen Parts, “auch wenn das eigentlich gar nicht so wichtig ist, es muss nur fett klingen”. Dass er diese Breite in der Musik für sich entdeckt hat, beweist der Holländer, indem er mittlerweile überwiegend live spielt.

Fokus auf das Eigene

“Ich muss mich in einem Liveset so mehr auf das fokussieren, was ich spiele”, konstatiert der Technoproduzent. “Ich arbeite mit drei Midicontrollern und entscheide immer für mich selbst, wann ich in einen Break gehe”. Diese Spontanität setzt sich sowohl in einem Liveset als auch im Studio fort: “Ich bin nicht der Typ, der irgendwas in seinem Kopf hat und dann erst danach handelt. Ich mache es einfach. Manchmal wünsche ich mir, es wäre anders –lacht-“.

Seinen Traumjob hat Rob Hes damit gefunden. “Ich hab es immer gehasst, für einen Chef zu arbeiten. Und vor allem dieses Sonntagsgefühl bei dem du denkst, dass du morgen wieder auf die Arbeit musst.” Das habe er heute nicht mehr und ist glücklich damit, die Tage im Studio zu verbringen und das Wochenende dort, wo sich der DJ eigentlich wie ein Fisch im Wasser fühlt – dem Club.

Releaseinfo:

Dubfire und Richie Hawtin premierten bereits vergangenes Jahr den Titeltrack “Tricks of the Trade” im Space Ibiza – mit großer Resonanz. In den nächsten Monaten spielt Hes nicht nur in Deutschland, sondern auch Thailand, Kroatien und Bosnien. Zudem erscheint bereits das nächste Release auf Pig & Dans “Elevate im Dezember und aktuell arbeitet Hes an seiner vierten EP für Smiths “Tronic”, die “fast fertig” ist.