Rival Consoles – Night Melody (2016)

RivalConsoles

Hinter „Night Melody“ verbirgt sich eine kleine LP, wenn man will ein Mini-Album. Es umfasst lediglich 34 Minuten, auf denen der UK-Act Rival Consoles aber seine gesamte Genialität darstellt.

Ereased Tapes ist seit langer Zeit schon der Londoner Stammtisch, um den sich neben Namen wie Nils Frahm oder Douglas Dare auch Rival Consoles bewegt. Sein Mini-Album „Night Melody“ vom August 2016 wurde ebenfalls auf dem englischen Imprint veröffentlicht.

Die Geburt

Wahrscheinlich ist jedes Album so etwas wie ein Kind zu gebähren. Es tut weh, es steckt so viel Herz drin und es ist immer 100-prozentig emotional. Zumindest für den Künstler selbst, ist es ein gutes Album, dann bekommt von diesem Grundgefühl der Hörer viel mit. In unserer Rubrik Must-Have-Album bauen wir nur auf diese Alben, zu denen auch „Night Melody“ gehört. Es öffnet mit dem knapp 6-minütigen Track „Pattern of the North“, der auf völlig analoge Flächen setzt und fast schon ein glückseeliger Moment sein kann, verglichen mit anderen Nummern von Rival Consoles.

Ab nach Johannesburg

Was will man auf nur sechs Songs auf einem Album erzählen? Vielleicht genau das, was einen zu dieser Zeit bewegt. Dazu aber später mehr. Mit dem zweiten Track Johannesburg geht es nicht nach Südafrika, sondern auf eine Safari von im Raum stehenden Geräuschen, die nicht nur komplexe Clubmusik bedeuten, sondern auch jede Menge Sounddesign. Ryan Lee West alias Rival Consoles schlägt auf „Night Melody“ die Brücke zwischen Techno und Filmmusik. Eine Charakteristik, die er immer wieder in seinen Produktionen erfüllt.

Etwas exotischer wird es dann doch mit dem nachfolgenden „Slow Song“, der jamaikanische Blechtrommeln mit einem himmlisch leichten Synth verbinden.

Der Bruch zur Melancholie

Es bereitet perfekt den melancholischen Bruch vor, den „Lone“ mit sich bringt. Deutlich schneller, deutlich disharmonischer – „Lone“ bringt sehr viel Tiefgang mit sich, ohne jemals drückend zu wirken. Dafür ist der Track vielleicht auch einfach zu schnell.

Der Titel „Night Melody“

Track 5 startet mit einer Steady Note, schwebt förmlich im Raum bis dieser gewaltig breite Subbass einsetzt. Diese Nummer bringt großartige Athmosphäre mit sich, ohne sich vom generellen Stil des Albums zu verabschieden. „Night Melody“ heißt die Nummer, die somit zum Titelgeber der kleinen LP wurde. „Ich habe mich in in meinem stillen Zuhause gefunden, als die Tage sehr schnell dunkel wurden. Ich war noch nie so betroffen von einem Lichtentzug und erinner mich, dass es irgendwie immer Nacht war“, sagt Rival Consoles in Erinnerung an diesen Track, der in der Dunkelheit entstand.

Die Ruhe vor dem Finale

„What Sorrows“ schließt dieses Album ab, setzt erst auf leise Töne und endet letztlich in einem fast konzertralen Moment. Es ist die perfekte Klammer, die Rival Consoles um dieses Album setzen konnte. 5.22 Minuten sind keine große Länge für dieses epische letzte Werk, das auf dieser kurzen Distanz aber ihre Musikalität endgültig zum Ausdruck bringt. Dieses Album ist vom ersten bis zum letzten Track rund und hinsichtlich der sehr ähnlichen Sounds auch nicht zu kurz. Eine Meisterleistung, Rival Consoles!

Tracklist:
01. Pattern Of The North
02. Johannesburg
03. Slow Song
04. Lone
05. Night Melody
06. What Sorrow