Luca Musto: „Ich wusste gar nicht, wie gläubig ich (noch) bin“

(c) JanSchoelzel

Früher war er eng mit dem Genre Hip-Hop verbandelt, heute produziert er detailverliebten Slowhouse. Seine musikalische Vergangenheit spielt für Luca Musto aber eine große Rolle. Mit seiner neuen Platte „Proper Preaching“ auf dem Kölner Imprint Feines Tier beweist er seine Grenzgänge erneut. Wir haben mit dem Berliner gesprochen.

Frage: Feines Tier und Luca Musto – warum passt das so gut zusammen?

Antwort: „Ich denke das liegt an unseren Wurzeln. Phil, Amon und der Großteil des Rudels haben entweder mit Hip-Hop angefangen, oder fühlen sich dem Genre hingezogen – genau wie ich. Da steckt ein ganz anderer Mindset dahinter, weil es eher diesen Crew-Charakter hat. Ich finde es notwendig, sich als Künstler zu entwickeln und dabei ein Label im Rücken zu haben, dass die Vision verstehen und fühlen kann. Vor allem heutzutage, wo elektronische Musik immer mehr irgendwelchen komischen Trends hinterher zu jagen versucht, anstatt sich weiter zu entwickeln.“

Frage: Wie lange braucht es, bis vier Tracks in der Detailverliebtheit entstanden sind?

Antwort: „Die erste, rohe Idee zu der Platte entstand ungefähr 2017. Das Konzept dahinter hat sich quasi von da an schleichend offenbart, auch wenn ich ohnehin dafür bekannt sein dürfte, etwas länger an meinen Stücken zu sitzen. An den Tracks habe ich etwas mehr als ein Jahr gearbeitet – immer wieder mit Pausen dazwischen – was aber auch mit diversen Studio-Aufnahmen meiner Musiker in Bodrum, Köln und hier in Berlin zusammenhing.“

Frage: Proper Preaching heißt die EP, was predigst Du?

Antwort: „Die Platte hat mehrere Ebenen, vom klassischen Kampf zwischen Gut und Böse oder Leben und Tod bis hin zur Glaubensfrage. Über Liebe, Erfolg und Vertrauen handelt sie an gewissen Punkten auch. Die Themen schwingen im Subtext mit oder tauchen teilweise im Outro oder Break auf, sodass sie breit im Raum stehen aber trotzdem einen roten Faden erzeugen, obwohl oder gerade weil sie stellenweise auch mehrdeutig interpretiert werden können. Am Ende des Tages möchte ich mit einer Veröffentlichung mehr offenbaren als lose, aneinander gereihte Stücke im Paket. Mir geht es um eine eigene Klangästhetik, tiefgehenden Charakter und Soul.“

Frage: Du hast die EP Deinem verstorbenen Taufpaten gewidmet. Warum?

Antwort: „Das stimmt. Ihm und meinem Firmenonkel. Beide verstarben tragisch, kurz bevor meine Musik und die Vision dahinter fahrt aufgenommen hat auf internationaler Ebene. Der Tod war auch schon immer ein Thema, dass ich musikalisch verarbeiten wollte. Überhaupt, Dualität: Also Leben und Tod, Licht und Schatten, Gut und Böse. Ich denke, damit bin ich noch lange nicht fertig aber als beide von uns gingen, musste ich mehr denn je diese Thematik angehen. Ich wusste auch gar nicht, wie gläubig ich (noch) bin, bis das passiert war und plötzlich das dritte Release als eine Art heilige Dreifaltigkeit vor meinen Füßen lag. Und nun, ganz ohne irdischen Schutz meiner Paten, musste dieses Konzept den Weg in die Welt finden.“

Frage: Was bringt die Zukunft für Luca Musto?

Antwort: „Im Mai erscheint ein Musikvideo zu ‚Lie To Me‘, in Form einer 70ies Blacksploitation Montage, auf das ich mich tierisch freue. Ich sitze auch schon an neuen Produktionen, die ich gegen Ende des Jahres wieder in Form einer Live-Show präsentieren möchte. Bevor jetzt die Sommersaison startet, werde ich am Ostersonntag meine erste, richtige Releaseparty im Klunkerkranich in Berlin feiern. Bald folgt auch ein Remix für KNLN & Roderic auf Bar25 sowie Remixe für den legendären The Revenge, Homeboy O/Y und für das Los Angeles Imprint Pipe & Pochet.“

„Proper Preaching“ auf Feines Tier erscheint am 26.04.2019 auf Vinyl, am 10. Mai wird dann die digitale Edition veröffentlicht.