Jan Blomqvist: „Lehrer werden ist doch viel riskanter“

Remote Control_JanBlomqvist

Mit Kalle hat Jan genauso wenig zu tun wie der Name Blomqvist mit Guglhupf. Der Berliner Jan Blomqvist ist entgegen seines Namens kein Schwede, sondern ein Bandleader und Solo-Künstler aus der Hauptstadt. Er steht für Konzerttechno und setzt das auch in seinem neuen Album „Remote Control“ um.

Als Kind der 80er wuchs Blomqvist mit Vorbildern wie Keith Richards auf, spielte Gitarre und gründete in einem niedersächsischen Bauwagen seine erste Band. Irgenwann fand der Act zum Punk und sagt darüber: „Musikalisch eher destruktiv, charakterlich aber mehr oder weniger bildend.“ Heute bewegt sich der Act viel weniger zwischen bunten Matten und Lederjacken, sondern im Elektro-Pop mit Band, als Solo-Künstler im Bereich Clubsoul.

Die Anfänge von Jan Blomqvist

Die Gagen der ersten Auftritte wurden damals noch fleissig gespart und in einen Verstärker gesteckt. In die Schulband durfte er nicht – die Musik gefiel ihm nicht. Im frühen Erwachsenenalter stößt der damals 21-Jähriger Raumfahrttechniker auf Techno. Damit ist Geld zu verdienen und das nicht mal unter schlechten Bedingungen: »Lehrer werden ist doch viel riskanter, wenn man morgens nicht aufstehen mag.«

Das Murmeltier

Tagsüber schläft Jan, nachts baut er stundenlang an seinen Tracks. Geld verdient er zudem nebenher als Barmann im Week-End und gibt es auf seinen „Bildungsreisen“ wieder aus: Radiohead Open Airs, Bar25, After Hours.

Irgendwann wird es klappen: »Die Langeweile in den Clubs aufbrechen, Konzertfeeling auf den Dancefloor bringen, mit einfachen Vocals und minimalen Beats. Rock’n’Roll im Club. Alles ganz einfach halten und im Detail die Finesse einbauen.«

Durchbruch 2011

Der große Knall war ohne Zweifels Blomqvists Fusion-Set vor 3.000 Leutein im Jahr 2011. Es folgten Releases auf Stil Vor Talent und Dantze. Vom Barkeeper im Week-End zum DJ – das Youtube-Video von Blomqvist auf dem Rooftop des legendären Clubs versinkt unter hunderttausenden Klicks. In drei Jahren spielt der Künstler 350 Gigs in riesigen Ländern und Städten wie New York, Moskau, Paris, Istanbul, Los Angeles, Rom, Kopenhagen, San Francisco, Mexico City, Brüssel, Amsterdam, Mailand, Athen, Budapest, Beirut, Tunis, Neapel, Bukarest, Warschau, Zürich, Marseilles, Montpellier, Thessaloniki, München, Wien, London und vieles mehr. Ein Traumstart, der jetzt mit seinem Debütalbum „Remote Control“ ein Sahnehäubchen erhält.

Radikaldemokratische Weltumarmungselektronik

Auf einer Dachterrasse tanzen, während die Sonne hinter dunklen Wolken untergeht. Elektro im Nieselregen. Verloren in der U-Bahn rumstehen und dann merken, dass man die ganze Zeit schon mitwippt. In zwölf Tracks wird hier der Minimal Techno-Drive der Nullerjahre verblomqvistet: Hingehauchte Melodien, soulige Vocals, hell-dunkler Text. Eine Prise Portishead, eine Messerspitze Mary J. Blige.

Aber »heulen kannst Du, wenn Du zuhause bist«. Die Tanzfläche ist der Transformator, der Melancholie in Strom umdreht und alle ansteckt: Konzertgänger und Techno-Rüpel, Weltvergesser und Glitter-Girls. »The fucking rainbow has no gold«, singt Jan irgendwo. Sein Soundtrack hilft uns darüber hinweg.

Das Album erscheint am 26.02.2016 auf Kontor Records. Mit dabei sind Künstler wie Aparde (der ebenfalls als Drummer für Blomqvists Liveband einspringt), The Bianca Story oder auch Elena Pitoulis.

Tracklist:

1. Stories Over
2. More (feat. Elena Pitoulis)
3. Empty Floor
4. Her Great Escape
5. Dark Noise
6. Drift (feat. Aparde)
7. Same Mistake
8. Dancing People Are Never Wrong (feat. The Bianca Story)
9. Back In The Taxi
10. Ghosttrack
11. Just OK
12. The End