BAAL: „Wir mussten uns einfach mehr selbst sehen“

BAAL

Per Wikipediadefinition ist Baal eine Bezeichnung für verschiedene Gottheiten im Altertum. Im syrischen und levantinischen Raum bedeutete die Bezeichnung „Herr“, „Meister“ oder eben auch „Gott“. Doch neben den Schöpfern ist Baal auch ein alter Dämon, der beispielsweise abgewandelt als Balrog im Kultbuch Herr der Ringe auftaucht. Wir stellen fest: Das Phänomen Baal ist die Ambivalenz eines Namen, die sich auch in der Gesinnung des bayerischen Produzentenduos BAAL um Matthias Dräxler und Matthias Schüll aus Fürstenfeldbruck widerspiegelt.

„Wir sind beide sehr religiöse erzogen, und deshalb hatten wir auch immer ein bisschen Angst vor diesem Namen. Deshalb schauen wir als Baal dem Bösen ins Gesicht“, sagt Matthias Dräxler. Der 23-Jährige wollte mit seinem 29-Jährigen Kollegen Matthias Schüll Grenzen überwinden. Nicht nur musikalische, sondern auch geistige und geistliche. „Daher ist zwei Herren anzusprechen einfach sehr schön“, betont Schüll.

Metamorph-EP ist erste Neuorientierung

Das Duo arbeitet bereits seit einiger Zeit zusammen. Erst mit einem Projekt, das deutlich poppiger und nach eigenen Aussagen flacher war. Danach mussten sich die beiden in einen Kokon verspinnen, um ihre wahre Idee zu entwickeln und BAAL letztendlich zu entpuppen. „Wir waren nicht zufrieden. Wir konnten da nicht unsere musikalische Ausrüstung finden, da nicht genug Komplexität und Energie vorhanden war. Wir mussten uns mehr selbst sehen“, erinnert sich der 23-jährige Dräxler. Und sein Partner ergänzt: „Wir haben uns komplett gedreht“. Das Ergebnis ist mit ihrer Debüt-EP „Metamorph“ auf dem Münchener Label Musica Autonomica zu hören. „Metamorphes Gestein ist Gestein das so tief liegt, dass es unter dem Druck die anatomische Zusammensetzung verändert. Wir waren unter so seelischem Druck, dass wir die Musik von vorhin nicht weitermachen können.“ Der Zweitracker, der nur von Analogie und Kraft strotzt setzt damit ein Zeichen. (wir berichteten)

Baal: Alte Mauern niedertrompeten

Die A-Seite „Genesis“ und die B-Seite „Jericho“ zeugen von einem Prozess. „Die Genesis beschreibt den Weg in ein ganz neues musikalisches Verhältnis. Die Kraft, die für den mutigen Schritt dann nötig ist, das ist dann Jericho. Eben das Niedertrompeten der alten Mauern von Jericho“, erklärt Schüll und zieht damit das Gleichnis aus der Bibel. Der studierte Philosoph findet in dieser neuen Art Sound viel ähnliches zur Klassik. Beide Musiker kommen ursprünglich aus der klassischen Musikrichtung, Schüll spielt beispielsweise lange Zeit Oboe. Sein analoges Equipment erstand er aus Liebe zum Sound und aus Faszination zum Synthesizer.

Sound ist Mischung aus Strawinski und Kickdrum

Große Arrangements verbergen sich hinter dem Klangkostüm des Duos. „Wir sind beide sehr melancholisch und deshalb hört man den Epos. Dafür lebt man ja auch. Dass man etwas spürt“, sinniert Dräxler. Auch in Zukunft wartet viel neue Arbeit. „Wir feilen gerade an Sounds und Klängen und studieren ganz genau, was die Szene macht. Dann wollen wir das weiterentwickeln, denn eine Kopie bringt ja nichts.“ Auch ihre Veranstaltungsreihe Konta in Fürstenfeldbruck und Ingolstadt will das Gespann ausweiten. „Wir holen immer wieder Acts, die weltweit etabliert sind. Das ist in diesen kleineren Städten dann doch eher eine Seltenheit“, betont Dräxler.

Werden wie Justice

Der große Sprung bleibt abzuwarten. Denn die Ziele, wenn auch spaßhaft formuliert, sind nicht gerade einfach zu erreichen. „Unser Ziel ist die Größenordnung von Justice“, lachen beide. „Weil Justice eben sehr energetischen Sound macht – und das perfektioniert hat. Die haben uns einfach beeindruckt.“

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