Aether (Afterlife): „Spectre ist der komplizierteste Song, den ich je gemacht habe“

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Aether ist wohl einer der untergrundigsten Künstler des italienischen Erfolgslabels Afterlife. Bis dato gab es noch nicht einmal ein Foto von ihm zu sehen. Im Interview mit feelectronica.de spricht er über seine Jugend in Italien, seinen Kontakt mit Mind Against und Tale of Us sowie über die Schwierigkeit, eine Plattform für seine Musik zu finden.

Von Rom über Mailand nach Utrecht und London: Matthias Cordsen alias Aether ist einer, der sich auf internationalem Parkett wohlfühlt und in seinem Leben einige Stationen abgehakt hat. Dennoch versteckte sich der studierte Musiker und Designer lange hinter seinem Moniker. Mit seiner neuen Afterlife-EP „Spectre“ wollte sich der UK-Artist selbst finden und seinen eigenen Sound vorantreiben. Geholfen hat ihm hier ein spezieller Synthesizer.

Matthias, Du hast wieder etwas Neues für die Jungs von Afterlife gemacht. Bei den drei Tracks fällt mir ganz deutlich auf, dass sie den immer gleichen Synth benutzen. Warum?

„Spectre“ ist eine Identität, die die Seele eines Künstlers mit einem speziellen Sound ausdrückt. „Spectre“ ist somit der Mann hinter Aether und die Möglichkeit, Sounds in unendlich vielen Möglichkeiten zu verändern. Mit dieser EP wollte ich meinen ganz eigenen Sound etablieren.

Du spricht über die vielen Möglichkeiten der Veränderung. Das ist komplex! Wie lange dauert es eigentlich, bis so ein Sound wie “Spectre” entsteht?

Das kommt ganz darauf an, wie ich mich fühle und wie viele positive Vibes mich umgeben. Es ist selten, dass ich Frieden zwischen der Musik und dem, was an Problemen um mich herum ist, finde. Als es soweit war, habe ich die Tracks fertig gemacht. Für „Endeavor“ zum Beispiel habe ich wochenlang gebraucht. Ich habe die Synthline auf das Arrangement gespielt und es dann wieder editiert, um längere Melodien zu erstellen. Das hat einen Effekt auf jede einzelne Note des Tracks und ist harte Arbeit. Ich beendet Synth-Melodien eigentlich nicht auf dem Sequencer, sondern immer beim Editieren. Auch bei „Raven“ ging es nicht schnell. Ich war im Zwiespalt zwischen zwei Melodien. Ich habe die beiden Melodien einfach übereinander gelegt, einer als Boden, einer als Dach – das war Magie. Ich habe den Track eine Woche lang gehört, ohne dass er mich gelangweilt hatte. „Spectre“ war der komplizierteste Song, den ich je gemacht habe. Ich habe ihn letzten Sommer am Meer geschrieben und drei Versionen über das Jahr verteilt erstellt. Das kann verwirren, hat mich aber gelehrt, den Track zu verstehen. Und auch ein bisschen mich selbst.

Wie bist Du als Brite denn in Kontakt mit der italienischen Afterlife-Mafia gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Das ist eine echt lange Geschichte! Ich habe meine komplette Jugend in Rom verbracht. Ich habe Musik gemacht und ein wenig aufgelegt. Als ich dann mit der High School fertig war, bin ich nach Mailand gezogen und habe dort Design studiert. Hier habe ich die ersten interessanten Verbindungen geschlossen. Nach drei Jahren war ich drin. Einer meiner besten Freunde hat mich dann den Fogini-Brüdern (Anm. d. Red: Mind Against) vorgestellt. Wir haben direkt angefangen, zusammen aufzulegen. Das war vielleicht eines Deiner angefragten Schlüsselerlebnisse. Irgendwann, als ich dann bereits in London gewohnt habe, habe ich die Jungs wieder getroffen und die meinten „da kommt ein neues Label“. Ich habe ihnen meinen Track „Shelter“ geschickt, einen Big-Room-Techno-Track und  Mind Against haben davon einen Edit gemacht und ihn immer wieder gespielt. Das war die richtige Richtung. Zwei Monate später habe ich dann „Eclipse“ von er „Solaris EP“ produziert und die Jungs haben mir Tale Of Us vorgestellt. Das war der Schlüsselmoment!

Dein letztes Mixtape für Afterlife war gespickt mit unveröffentlichten Arbeiten von Dir. Da waren einige richtig deftige Nummern dabei, bei denen noch niemand sicher ist, was wie und vor allem wo veröffentlicht wird. Kommt da eine Welle auf uns zu?

Das Mixtape war echt ein Abenteuer. Als ich angefragt wurde, war ich irgendwo zwischen dem finden neuer guter Musik und unveröffentlichtem externen Material festgesteckt. Nichts hat mich zufrieden gestellt. Dann hat mich Matteo von Tale Of Us bestärkt, einen Podcast mit nur eigenen Ideen zu machen. Zu Deiner Frage: Ja, da kommt einiges raus, nur ist es immer sehr schwierig, die richtige Plattform zu finden, die zu meiner Musik passt. Ich will nicht verleugnen dass ich ein paar fertige EPs habe, die schnell rauskommen könnten und mich sogar schon jemand gefragt hat, ob ich nicht ein Album machen möchte. Das werde ich aber erst entscheiden, wenn ich noch mehr Material habe.

Die neue Aether-EP „Spectre“ erscheint am 27. Juli 2018.